Die meisten Studenten rechnen damit, zügig einen geeigneten Job zu finden. Besonders wichtig ist ihnen dabei vor allem ein sicherer Arbeitsplatz, ein kollegiales Arbeitsklima und ausreichend Zeit für Familie und Freunde. Karriere und Geld spielen eine eher untergeordnete Rolle. Diese Tatsache stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen und erfordert ein Umdenken bei Vorgesetzten.
Im Wettlauf um die qualifizierten Kräfte von morgen werden sich deutsche Unternehmen einiges einfallen lassen müssen. Zwar ist auch den Studenten von heute das künftige Einkommen nicht völlig gleichgültig – davon zeugen die erwarteten Einstiegsgehälter von durchschnittlich knapp 37.000 Euro. Doch von hohen Gehältern allein lassen sich die Hochschulabsolventen nicht mehr locken: Sie erwarten, dass Unternehmen ihnen vor allem sichere Arbeitsplätze, ein kollegiales Arbeitsklima und ausreichend Zeit für Familie und Freunde bieten. Das sind Ergebnisse der Studie „Studenten in Deutschland“, die von der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young erstellt wurde.
Arbeitgeber vor Herausforderungen
Die Studenten suchen Unternehmen, die ihnen in einem Umfeld aus Kollegialität und flachen Hierarchien die Möglichkeit zu selbstständigem Arbeiten bieten. Von ihrem künftigen Arbeitgeber erwarten sie einen Führungsstil, der von Respekt und Vertrauen geprägt ist. Weniger wichtig erscheinen ihnen Gehalt und Karriere ebenso wie der Markterfolg, die Reputation und die Innovationsleistungen ihres künftigen Arbeitgebers.
Immer wichtiger wird eine Unternehmenskultur, die dem Einzelnen die Möglichkeit bietet, seine Potenziale zu entfalten. Hierarchien und starre Strukturen sind aus Sicht der Studenten von gestern. Das stellt neue, teils ungewohnte Anforderungen an die Vorgesetzten, aber auch an die jungen Mitarbeiter. Als Gegenleistungen für größere Freiräume müssen sie eine hohe Disziplin und die Fähigkeit bieten, sich selbst straff zu führen.
Zufriedenheit und Zuversicht
Mit ihrer persönlichen Situation sind sechs von sieben Studenten zufrieden. Und sie gehen davon aus, im Anschluss an das Studium zügig einen passenden Job zu finden: 86 Prozent der Befragten gehen davon aus, zügig eine Anstellung zu finden, die Ihren Erwartungen und Qualifikationen entspricht.
Dabei sind die Gehaltsvorstellungen recht hoch: Im Durchschnitt erwarten die Studenten ein Einstiegsgehalt von etwas weniger als 37.000 Euro. Dabei liegt die Spannweite zwischen knapp 34.000 Euro bei den Lehramtsanwärtern und fast 41.000 Euro bei den Ingenieuren und Informatikern. Für dieses Geld sind die angehenden Akademiker dann aber bereit, Leistung zu bringen.
Globalisierung als Chance
Gegen einen starken Zug zum Ausland spricht auch die Einschätzung des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Vier von fünf Studenten stufen seine Wettbewerbsfähigkeit als gut oder sehr gut ein. So verwundert es nicht, dass 74 Prozent die Globalisierung als Chance für ihr Land betrachten, nicht als Gefahr, wie es das übrige gute Viertel tut. Noch zuversichtlicher schätzt die große Mehrheit der Befragten den Einfluss der Globalisierung auf ihre persönliche Entwicklung ein: 81 Prozent sehen sie als Chance für sich selbst. Das zeuge von einem erfreulichen Selbstbewusstsein, von der Überzeugung, sich in der Welt auch persönlich behaupten zu können, meint Wehling. Von Zukunftsangst könne in dieser Studentengeneration jedenfalls kaum mehr die Rede sein.
Wenig Unternehmernachwuchs
Dafür spricht auch ihre Erwartung, ein durchaus bewegtes Berufsleben vor sich zu haben. Vom Job fürs Leben träumt der akademische Nachwuchs offenbar nicht mehr. Im Schnitt erwarten die befragten Studenten, 4,3 Jahre für ihren ersten Arbeitgeber tätig zu sein. Selbst die Lehramtsanwärter, bei denen man eine gewisse Neigung zum lebenslangen Festhalten vermuten könnte, sind nur auf 7,1 Jahre eingestellt. Die kürzeste Erstbeschäftigung erwarten die Kulturwissenschaftler – sie rechnen damit, nach dreieinhalb Jahren den Arbeitgeber zu wechseln. Die Beweglichkeit der meisten Studenten geht aber nicht so weit, selbst unternehmerisch aktiv zu werden. Nur 23 Prozent denken daran, sich nach dem Studium selbstständig zu machen. Mehr als drei Viertel bevorzugen also ein Arbeitsleben im Angestelltenverhältnis.
[po; Quelle: Ernst & Young; Bild: Fotolia.com]